Sozialpädagoge in Ausbildung im Blickfeld einer Ausbildnerin 38 | 52

Woche 38: Als kreative Betrachtung des Themenkomplexes KOMMUNIKATION einige Gesprächsfetzen aus dem Alltag: Man hört und hört trotzdem nicht! Aktives Zuhören als eines der Elemente der professionellen Gesprächsführung und die Tatsache der alltäglichen Gesprächsfetzen.

Die menschliche Wahrnehmung beruht, allgemein ausgedrückt, auf der Empfindung einer subjektiven Gesamtheit von Sinneseindrücken aus Reizen der Umwelt und inneren Zuständen. Informationen werden unbewusst und / oder bewusst ausgewählt und zu einem als sinnvoll empfundenen Ganzen zusammengeführt.

In der Regel nimmt der Mensch zuerst die Form eines Eindruckes wahr, bevor er versucht, den Hintergrund zu begrenzen. Offenbar sind es nicht die Reize, die bestimmte Wahrnehmungsweisen vorschreiben, sondern wir selbst sind es, die Reize so zusammen gruppieren, damit bestimmte Wahrnehmungen als sinnvoll erlebt werden.

Im Alltag geschieht die Verknüpfung von Wahrnehmen, Interpretieren, Bewerten meist so schnell und gleichzeitig, dass wir oft meinen, es sei dasselbe. Eigentlich sind die Prinzipien, wie wir Wahrnehmung filtern, strukturieren und verarbeiten, relativ simpel (angesichts der immensen Komplexität der möglichen sich überlagernden Eindrücke, die auf uns einwirken): es sind, kurz gesagt, etwa drei zentrale Prinzipien, die unsere Wahrnehmung steuern:

  1. Das Prinzip der Nähe: Wahrnehmungen tendieren dazu, Elemente, die beieinander liegen, als zugehörig zu sehen.
  2. Das Prinzip der Ähnlichkeit: Was als ähnlich empfunden wird, wird als zusammengehörig wahrgenommen.
  3. Das Prinzip der Kontinuität: Immer wieder (kontinuierlich) auftretende Reize werden als zusammengehörig empfunden (z.B. Musik). Offene Teilverläufe werden somit oft automatisch durch einen kognitiven Prozess in geschlossene (Muster) verwandelt, um sie zu erfassen, zu „begreifen“

Inhalte und Qualitäten einer Wahrnehmung können durch gezielte Steuerung der Aufmerksamkeit und durch Wahrnehmungsstrategien gesteuert werden.

Wir Professionelle nutzen diese Steuerungsmöglichkeit bewusst im Hinblick auf die Gestaltung von Kommunikation im professionellen Kontext.

Insbesondere zur Bewältigung des  Sender- Empfänger-Phänomens (Kurzformel: keine Nachricht wird je 1:1 so vom Empfänger aufgenommen, wie sie der Sender gemeint hat; beide, Sender und Empfänger, gehen aus  biografischen, emotionalen, rationalen, individuellen Gründen unterschiedlich mit Nachrichten um)  ist die gezielte Steuerung der Wahrnehmung im professionellen Kontext essentiell. Eine Form einer solchen Steuerung ist die selektive Wahrnehmung: dabei werden nur bestimmte Aspekte der Umwelt wahrgenommen und andere ausgeblendet. Selektive Wahrnehmung beruht auf der Fähigkeit, Teilinformationen zu Mustern zu bilden, ihnen damit einen Sinn zu geben. Neue Informationen dienen dazu, die Muster zu ergänzen oder neu zu bilden. Die Bildung von Mustern ist essentiell zur Bewältigung der Reizüberflutung und Fokussierung auf wichtige Themen.

Welches Bild kommt Ihnen bei diesen Gesprächsfetzen:

  • Jetz muesch no füf Jahr uf d’Zäh biisse:
  • Jetz muesch no warte, jetz chum ich emol
  • Ich cha das unbedingt wiiter empfähle.
  • Ich weiss au nid wie‘n ich das schaffe
  • Any way…

Wovon ist es abhängig, was Sie unter diesen Gesprächsfetzen verstehen? Welche Muster bilden Sie? Wie? Womit?

Rosmarie Arnold, Dozentin FHS

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