Betula Jahresbericht 2025

Rückblick – Standpunkt – Ausblick

Wandel gestalten

Die Natur ist eine grossartige Lehrmeisterin. Scheinbar mühelos wechseln sich Wachsen, Vergehen und Neuwerden ab.
Organisationen, Institutionen funktionieren anders, sind letztlich menschliche Gebilde. Und doch gibt es Parallelen, denn es sind wir Menschen, lebendige Wesen, die Organisationen erschaffen, entwickeln und aufbauen.

Die drei Durchbrüche nach F. Laloux

In der Organisationsentwicklung (vgl. F. Laloux: Reinventing Organizations) spricht man dann von evolutionären Organisationen, wenn diese – neben anderen Merkmalen – auf ihren Sinn hören bzw. diesem folgen. Sinn und Zweck war und ist es seit Gründung des Betula vor 36 Jahren, Menschen in herausfordernden Lebenssituationen auf ihrem Weg hin zu einem selbstbestimmten Leben zu begleiten, Teilhabe zu ermöglichen und Fachpersonen ein Arbeitsumfeld zu bieten, in dem sie ihr Potenzial entfalten können. Stefan Ribler und Christian Brönimann haben hierzu über viele Jahre hinweg einen beträchtlichen Anteil ihrer (Lebens-)Zeit und ihrer Energie in diese sinngebende Tätigkeit hineingegeben. Entstanden sind dabei differenzierte und bedürfnisangepasste Wohn- und Tagesbetreuungsangebote, die es Menschen ermöglichen, ihren ganz eigenen Gesundungsweg zu gehen.

Den evolutionären Sinn des Betula als sozialpsychiatrische Organisation weiter zu leben, war wesentliches Anliegen des fachlich begleiteten Entwicklungsprozesses von 2023 bis 2025. Handlungsleitend waren neben einem sorgfältig geplanten Übergangsmanagement die Ausrichtung am Gelingenden und an den Werten und Haltungen des Betula. Die Überführung der Organisationsform mit einer Co-Geschäftsleitung hin zu einer geteilten Führung, in der Führungsverantwortung als Rolle und nicht als Position verstanden und gelebt wird, schien dabei als nächster Entwicklungsschritt sinnhaft und zukunftsgerichtet. Diese Struktur dient nicht nur der Partizipation, sondern ist eine bewusste Massnahme zur Risikominimierung durch das Vier-Augen-Prinzip und zur Sicherstellung der Betriebskontinuität auf Leitungsebene.

Die ersten Schritte der neuen Geschäftsleitung bestätigen dies und lassen uns zuversichtlich der Zukunft entgegenblicken und -gehen.
In der operativen Umsetzung legen wir den Fokus verstärkt auf die Einhaltung und Überprüfung unserer Leistungsvereinbarungen mit dem Kanton. Wir verstehen die Übernahme von Verantwortung als Verpflichtung zu einer transparenten Berichterstattung und einer effizienten Administration, um die uns anvertrauten öffentlichen Gelder zielgerichtet einzusetzen.

Die Herausforderungen und Veränderungen stehen vor der Türe – Stichwort neues Finanzierungsgesetz – und werden auch das Betula beschäftigen. Wir bereiten uns aktiv vor, indem wir unsere Kostenstrukturen analysieren und unsere internen Prozesse dort optimieren, wo administrative Entlastung die direkte Arbeit am Menschen stärken kann. Wir bewahren das Herz und die wertschätzende Kultur des Betula, steuern die Organisation aber gleichzeitig mit moderner Führung, strategischem Weitblick und finanzieller Disziplin durch die kommenden gesetzlichen Veränderungen.

Zuversichtlich stimmen und Mut machen dabei die Erfahrungen des beschriebenen Transformationsprozesses, die aufzeigen, dass das Betula mit Engagement und Herz all seiner Angehörigen – Nutzenden wie Mitarbeitenden – Veränderungen konstruktiv und lösungsorientiert gestalten kann.
Dieses zielführende Handeln ist für uns auch ein Versprechen an die Stadt Romanshorn und den Kanton Thurgau: Wir bleiben eine stabile, verlässliche Institution, die flexibel auf neue Anforderungen reagiert, ohne die fachliche Qualität zu gefährden.

Die Ausrichtung an Sinn, Werten und Haltungen wird dabei auch in Zukunft handlungsleitend bleiben.
Für die GL, Stephan Deininger

Jahresbericht Betularat 2025

  • Auch wir vom Betularat blicken auf ein spannendes Jahr zurück. Es gab einige personelle Veränderungen im Team, was uns in der Summe aber gefestigt und dem Betularat neue Farben verliehen hat. Gemeinsam blickten wir der Frage entgegen: Wo wollen wir hin und was ist unsere Aufgabe? Altes wurde aufgeweicht, Neues gesät.
  • Unsere Highlights:
  • EM-Fieber: Leon organisierte im Alleingang die Fussball-EM-Übertragungen mit hausgemachten Speisen. Das letzte Finalspiel verbanden wir mit einem Grillabend, der unglaublich schön war – nicht zuletzt wegen der zahlreichen tollen Gäste.
  • Spiele und Film: Während der Pokerabend für Begeisterung und viele Teilnehmende sorgte, blieb die Resonanz beim Filmabend hinter den Erwartungen – doch wir geben nicht auf: Neues Jahr, neues Glück!
  • Stabübergabe: Ein besonderes Highlight war die Organisation der Begrüssungsfeier für die neue Geschäftsleitung. Es war uns eine grosse Ehre, dieses Anliegen umsetzen zu dürfen und somit ein neues, bedeutendes Kapitel für das Betula einzuläuten. Wir waren nervös, ob alles funktionieren, genug Gäste kommen und es keine Zwischenfälle geben würde. Wir wurden belohnt mit einem wundervollen Abend und bedanken uns herzlich bei allen Helferinnen und Helfern! Auf weitere ­30 Jahre, nun unter neuer Führung.
  • Abschied mit Herz: Eine Herzensangelegenheit war uns ein Abschiedsessen mit Christian, der dem Betularat all die Jahre tatkräftig zur Seite stand. Wir kochten selbst etwas Feines und verbrachten einen schönen Abend voller spannender Anekdoten, viel Lachen und auch etwas Wehmut. Als Zeichen unserer Dankbarkeit ernannten wir Christian zum Ehrenmitglied.

Alles ist in Bewegung – und das ist gut so.
Wir freuen uns auf das kommende Jahr!

Für den Betularat, Manuela Furchner

Erfolgsgeschichte

Kleine Schritte, grosse Wirkung

Tawfiqs Weg begann 2009 und war geprägt von Unsicherheit und Fluchttraumata. Von 2017 bis 2025 lebte er im Betula, wo er trotz emotionaler Taubheit und Einsamkeit eine entscheidende Ressource bewies: den unbändigen Willen, nicht aufzugeben.

Durch die lösungsorientierte Begleitung lernte er, seine Werte zu erkennen und negative Gedanken zu hinterfragen. Methodische Hilfsmittel wie die «Schatzkarte» halfen ihm, ein stabiles soziales Netzwerk aufzubauen. Heute gibt er diese Stärke weiter und unterstützt andere bei ihrer Integration.

Einen beruflichen Meilenstein erreichte er dank seinem unermüdlichen Festhalten an seiner IT-Leidenschaft. Trotz kritischer Stimmen organisierte er sich selbst ein Praktikum und wird im Sommer 2026 seine dreijährige Ausbildung zum IT-Fachspezialisten abschliessen. Die wertschätzende Begleitung im Betula und die gezielte Ressourcenförderung gaben ihm das nötige Selbstvertrauen für diesen Prozess.

Ende 2025 trat Tawfiq aus dem Betula aus. Heute lebt er selbstständig, ist in einer Beziehung und engagiert sich humanitär. Sein Motto – dranbleiben, kleine Schritte würdigen und auf das eigene ­Potenzial vertrauen – ist das Fundament seiner beeindruckenden Entwicklung.

Eva Güttinger

Wachstum und Teilhabe

Helfer beim Summerdays Festival Arbon
Auf Empfehlung meiner Bezugsperson arbeitete ich an der «Biermeile». Trotz grosser Anfangsnervosität half mir ein bewusster Fokus (Tunnelblick), den Stress und Lärm auszublenden. Diese Erfahrung war sehr wertvoll: Ich gewinne meine Belastbarkeit und mein Selbstvertrauen zurück, die ich durch meine Erkrankung verloren geglaubt hatte.

Der Lösungsorientierte Ansatz – LOA: Dank der wertschätzenden Atmosphäre im Betula fühle ich mich wieder auf Augenhöhe mit anderen. Das
half mir, offener und mit neuer Stärke zu arbeiten. Ein be­sonderes Highlight war die An­erkennung durch den Chef der Baufirma, bei der ich früher
tätig war.

Alleinreise nach Amsterdam
Nach einer Gruppenreise nach Malaga 2024 wagte ich 2025 den Schritt, allein zu verreisen. Meine Wahl fiel auf Amsterdam – passend zu meinem Hobby «Sailability» und dem Event «Sail Amsterdam». Die Reise war eine neue, prägende Erfahrung mit vielen positiven Erlebnissen.
LOA: Die Sicherheit aus kleinen Alleingängen in Malaga und die Vorbereitung mit meiner Bezugsperson gaben mir den Mut für dieses Abenteuer.

Podcast bei «Kontrast»
Anfang 2025 nahm ich mit Stefan Ribler einen Podcast auf. Trotz enormer Nervosität auf der Hinfahrt nach St. Gallen – die ich mit Musik und Atemübungen bändigte – verlief die Aufnahme hervorragend. Die vielen positiven Rückmeldungen haben mich sehr stolz gemacht.
LOA: Inspiriert haben mich zwei Frauen, die mich jahrelang begleitet haben. Ihr Vorbild gab mir den Anstoss: «Wenn die beiden das können, probiere ich es auch.»

INSOS Jahresversammlung
Stephan fragte mich an, bei der INSOS Jahres­ver­sammlung in der Kartause Ittingen an einem Bühnentalk über «Einzelwohnen in Institutionen» teilzunehmen. Obwohl ich eher ein stiller Mensch bin, sagte ich zu. Das Lob des INSOS-Präsidenten für meinen Podcast nahm mir die Angst vor dem grossen Publikum. Die Runde auf der Bühne war
ein voller Erfolg.

LOA: Durch Tipps von Freunden lernte ich, meine Nervosität bei Vorträgen zu kontrollieren, indem ich
mich auf einen Punkt oberhalb der Menge fokussiere.

Michael Hollenstein

Lösungsorientierte Praxis

Kooperation durch Loslassen

«Jede Reaktion ist eine Form von Kooperation. Das Gegenüber reagiert aufgrund seiner Möglichkeiten und Erfahrungen so, wie es ihm zurzeit möglich ist.»

Dieser lösungsorientierte Grundsatz prägte meine Arbeit mit einem Klienten. Eine anspruchsvolle Kindheit, Gewalterfahrungen und Drogenmissbrauch haben seine Biografie geprägt, genauso wie diverse Rausschmisse aus verschiedenen Heimen und Institutionen. Mein Versuch, ihm mit sozialpädagogischer Struktur und gewaltfreier Kommunikation zu begegnen, scheiterte zunächst kläglich. Es kam ständig zu Konflikten; ich war wütend und ratlos.

Der Wendepunkt kam, als er mir die Zusammenarbeit «kündigte»: Er wolle nur noch Geld und Medikamente, alles andere regle er selbst. Anstatt dies als Trotz abzutun, nahm ich ihn ernst und liess los. Schlagartig verbesserte sich die Dynamik. Die wenigen Termine nahm er nun zuverlässig und freundlich wahr – er war nun derjenige, der agierte, statt nur auf meine Vorgaben zu reagieren.

Kurze Zeit später verliess er das Betula auf eigenen Wunsch. Dank der neu gewonnenen Ebene konnten wir den Abschied gemeinsam sorgfältig und würdevoll gestalten.

Diese Erinnerung zeigt mir vor allem eines: Es war nicht so, dass er nicht mit mir zusammenarbeiten wollte. Er konnte es nicht, oder nicht so, wie ich ihm dies eine Zeit lang aufdrängen wollte. Er konnte es nicht aufgrund seiner Erfahrungen, seines Werdegangs und seines Mangels an grundlegendem Vertrauen, welcher tief in ihm verwurzelt war. So hat uns das gegenseitige Loslassen ­einander letztlich nähergebracht.

Simon Schmid



Mitmachen und dabei für die eigene Persönlichkeitsentwicklung profitieren

Freiwilligkeit bereichert unseren Alltag

Mitmachen und dabei die eigene Persönlichkeit weiterentwickeln

  • Freiwilligkeit bereichert unseren Alltag
  • Im Jahr 2025 wurden im Betula 338 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet. Wir erleben sehr gute Erfahrungen mit
  • den Freiwilligen und sind sehr dankbar für diese Unterstützung!
  • Finde und pflege neue soziale Kontakte.
  • Bringe deine Persönlichkeit und Fähigkeiten ein.
  • Unterstütze Einzel- und Gruppenaktivitäten.
  • Die Freiwilligenarbeit ergänzt und unterstützt die bezahlte Arbeit.
  • Freiwillige finanzielle Beiträge für Unterstützungs- und Aktivitätenfonds
  • Freiwillige finanzielle Beiträge für Projekte ermöglichen finanzielle Bedürfnisse zu stillen und helfen in Notsituationen.
  • Betula-Projekte finanziell unterstützen.
  • Finanzielle Not von betreuten Menschen lindern.
  • Spendenfonds für den Verein Betula
    Konto Thurgauer Kantonalbank
    IBAN CH34 0078 4172 0019 1390 3
  • Allgemeine Spendengelder werden zur Deckung ausser­ordentlicher Aufwendungen und zur Tilgung langfristiger Verbindlichkeiten des Vereins eingesetzt.
  • Möchtest du uns durch Freiwilligenarbeit und Spenden unterstützen?
    Ruf uns an! Wir freuen uns auf dich.
    071 466 14 00

Jahresbericht als PDF


Freiwillige finanzielle Beiträge für Unterstützungs- und Aktivitätenfond


– Betula-Projekte finanziell unterstützen.
– Finanzielle Not von betreuten Menschen lindern.

Spendenfond für den Verein Betula
Konto Thurgauer Kantonalbank
IBAN CH34 0078 4172 0019 1390 3

Allgemeine Spendengelder werden zur Deckung ausser­ordentlicher Aufwendungen und zur Tilgunglangfristiger Verbindlichkeiten des Vereins eingesetzt.


Freiwillige finanzielle Beiträge für Projekte ermöglichen finanzielle Bedürfnisse zu stillen und helfen in Notsituationen.

Möchtest du uns durch Freiwilligenarbeit und Spenden unterstützen?
Ruf uns an! Wir freuen uns auf dich.

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