Woche 7: Lösungsorientiertes Arbeiten
Ivo Reich erklärt diese Woche in seinen Worten und mit
seinen Zugängen Grundsätzliches zum lösungsorientierten Ansatz.
Ganz wichtig in seinem Verständnis ist die Haltung gegenüber den Menschen, der Blick auf Ressourcen und Fähigkeiten, indem der Blickwinkel bewusst auf Vorhandenes, auf Ressourcen gelegt wird. Als mögliche methodische Ansätze nennt er das positive Konnotieren, das Umdeuten, wobei es wichtig sei, den Menschen nicht einfach etwas einzureden, sondern sie mittels gezielter Fragen (z.B. nach guten Momenten) auf ihre Fähigkeiten und Ressourcen hinzuweisen.
Der lösungsorientierte Ansatz grenzt sich explizit vom defizitorientierten Blick ab, welchen wir in der Regel im Alltag weit besser beherrschen als den Blick aufs Gelingende – weil es die Probleme, die Schwierigkeiten sind, die uns im Alltag herausfordern, und die wir gerne mit einem möglichst guten Rezept beherrschen können möchten. Es sind denn auch diese Erwartungen von „Laien“ an Professionelle, dass wir die Lösungen kennen (müssten) und für Probleme möglichst schnell Lösungen bereit haben.
Lösungsorientierung ist meines Erachtens in diesem Sinn ein etwas verwirrender Begriff, weil er vorspiegeln könnte, dass es eindeutige Lösungen gäbe, die man nur kennen und passgenau anwenden müsste. Schaut man aber das Konzept Lösungsorientierung genau an, stellen wir fest, dass genau dies nicht gemeint ist. Wie Ivo Reich betont, ist es zunächst die Arbeit am eigenen Menschenbild, die im Vordergrund steht. Wir müssen uns zunächst einmal selber „umerziehen“ auf den Blickwinkel des Gelingenden. Erst wenn uns dies selber gelingt, sind die spezifischen Methoden kritisch zu reflektieren und dann einzusetzen, immer aber mit einem weiterhin kritischen Auge darauf, ob wir die Lebenswelt unseres Gegenübers wirklich verstanden haben, oder es nur „glauben“….
Der lösungsorientierte Ansatz ist entstanden aus der Schnittstelle von Systemischer Orientierung und Lösungsorientierung in der Familientherapie; er legt den Fokus auf Interaktionsmuster und folgt dem Grundprinzip, dass jeder Mensch über wichtige Ressourcen und Fähigkeiten verfügt, die für die individuelle Problemlösung (und Zielfindung) genutzt werden können. Durch Beratung / Begleitung / Unterstützung sollen Impulse für Entwicklung und Veränderung freigeschaltet werden. Die methodischen Ansätze des LOA sind bei kritischer Reflexion eigentlich ganz einfach, einleuchtend und alltagstauglich: z.B. das Arbeiten mit Ausnahmefragen, mit der sogenannten „Wunderfrage“, mit Skalierungsfragen, zirkulären Fragen, Bewältigungsfragen, Umdeuten, Lösungen entwickeln, Denkpausen einschalten, Aufgaben von Mal zu Mal bearbeiten …
Dadurch, dass der lösungsorientierte Ansatz in seinen Methoden sehr pragmatisch ist, eignet er sich gut für die individuelle Begleitung und Unterstützung. Für die Entschlüsselung der Dynamiken im Umfeld eignen sich weitere Konzepte, wie z.B. die sozialräumliche Orientierung. Davon wird im Weiteren bestimmt noch die Rede sein.
Rosmarie Arnold, Dozentin FHS