Woche 42: Zurück im WG Alltag; Nach über sechs Wochen Intensivstudienzeit an der Hochschule, kehrt Ivo Reich wieder zurück in die WG Tilia. Ivo Reich erzählt was sich nach sechs Wochen WG – Abwesenheit alles verändert hat und wie sich das Zurückkommen anfühlt.
Dich, lieben Ivo, ich muss ich wahrscheinlich ein bisschen enttäuschen, der Begriff Sozialraumorientierung wird sich letztlich auch in den nächsten paar Jahren nicht definitiv nicht klären lassen!
Ich möchte Dir aber gerne einen kleinen Einblick gebe in die Nöte einer Dozentin, die den Studierenden plausibel machen muss, dass Sozialraumorientierung eine vorwiegend reflexive Aufgabe ist, die sich immer nur in Bezug auf konkrete Fallkonstellationen diskutieren (!) lässt; ich zitiere mich daher selber mit einer Antwort, die ich Studierenden gegeben habe, als sie ähnlich wie Du Fragen zu roten Faden bezüglich Sozialraumorientierung gestellt haben: „Das Problem, das viele von Ihnen benennen, scheint ein Stück weit das Dilemma der Theorieentwicklung in der Sozialpädagogik überhaupt zu betreffen bzw. zu spiegeln, nämlich das Spannungsfeld zwischen Identität der Sozialpädagogik angesichts verschiedener disziplinärer „Andockstellen“ (Disziplin Bildung; Erziehung im Spannungsfeld zwischen Entwicklungspsychologie, Sozialisation, Familiensoziologie, Politik, Recht, bis hin zu Therapie / Sozialpsychiatrie…). Zusätzlich haben wir es mit dem Phänomen zu tun, dass sich professionelles Handeln im Wesentlichen dadurch vom Laienhandeln unterscheidet, indem es reflektiert, begründet und auf wissenschaftliche Grundlagen (der Disziplinen) bezogen können werden muss. Selbst wenn sich Laien-Handeln und professionelles Handeln rein optisch und situativ gesehen nicht einmal wesentlich unterscheiden müssen, bildet bei näherer Betrachtung die komplexe Behandlung eines Problems auf dem Hintergrund von (wissenschaftlicher) Reflexion, Begründung, Planung, Zielformulierung, Auftrag, und Vielfalt methodischer Kompetenzen den professionellen Rucksack der Handelnden.
Insofern kommt der Aussage von Reutlinger/Wigger, „dass Sozialraumorientierung in der Sozialen Arbeit eine Art black box darstellt, die beliebig gefüllt und damit für unterschiedlichste sozialpädagogische und / oder sozialpolitische Zwecke instrumentalisiert werden kann“ eine wichtige Stellung zu (Reutlinger Ch./Wigger A., Von der Sozialraumorientierung zur Sozialraumarbeit; Eine Entwicklungsperspektive für die Sozialpädagogik?; Zeitschrift für Sozialpädagogik 2008, S. 341);
Sie als angehende Professionelle sind herausgefordert, mit Hilfe von Ihnen zur Verfügung stehenden Ordnungsmodellen – z.B. das Ordnungsmodell der Sozialraumlandschaft (a.a.O. S. 344) – Ihr Erklärungs- und Begründungs-, wie auch Interventionswissen professionell einzusetzen. Da jede Fallkonstellation in sich individuell ist, gibt es leider keine fertigen Rezepte (und wird es auch nie geben.) Sie sind herausgefordert, immer wieder eigene Antworten auf verschiedenste Fallkonstellationen zu finden.
Das Modul D3 ist daher eine besondere Herausforderung an dieses Suchen und Finden von angemessenen Lösungswegen. Es bildet diese Vielfalt der Spannungsverhältnisse ab, sowie das Schwierigste an der professionellen Arbeit überhaupt, nämlich eine nachvollziehbare Verknüpfung von Theorie und Praxis zu schaffen, dabei aber die sich ständig verändernden externen Faktoren von Zeitgeist und Politik immer mitzudenken.“
Ausbildung ist für alle Akteure – Lehrende und Lernende – eine Riesen-Herausforderung! Daher: wir bleiben dran, am Besten im gemeinsamen Nachdenken und Diskutieren.
Rosmarie Arnold, Dozentin FHS
PS: Eine gute Nachricht: In der neuen Semesterstruktur ab Herbstsemester 2012 gibt es keine Blockwochen à sechs Wochen mehr …